Nenrin
Nenrin  年輪  Jahresring

Ein Baum zählt
keine Monate.
Er zählt Wärme.

Nenrin rechnet aus echten Wetterdaten aus, wie viel Wärme deine Bäume seit dem 1. Januar bekommen haben — und sagt dir daraus, wann umgetopft, geschnitten und gedüngt wird. Nicht „im März". Sondern: jetzt.

Acer palmatum · Wiesbaden
89 von 100 Gradtagen erreicht
Modellschätzung: Fenster öffnet in 6–9 Tagen
Nicht standortkalibriert · Unsicherheit ±7 Tage
Laubloser Bonsai mit geschwollenen Knospen vor schwarzem Hintergrund
Beispieldaten · Ring berühren — 2026
Ahornast mit mehreren geschwollenen Knospen, der von links nach rechts durch das Bild wächst
Bild 02 · Knospenstudie
Asset noch nicht eingesetzt
01 / DER MOMENT

Nicht im März.
Sondern: jetzt.

Eine geschwollene Knospe ist kein Datum. Sie ist ein messbarer Zustand. Nenrin verbindet ihn mit der Wärme, die dein Baum an seinem Standort tatsächlich erlebt hat.

Die Methode

Wärmesumme statt Kalenderblatt

Die Landwirtschaft rechnet seit über hundert Jahren so: Eine Pflanze entwickelt sich nicht mit der Zeit, sondern mit der aufsummierten Wärme oberhalb einer Basistemperatur. Nenrin überträgt dieses Verfahren auf Ziergehölze in der Schale.

01 — Messen

Dein Standort, nicht dein Land

Tageswerte für Temperatur, Niederschlag und Verdunstung, auf etwa fünf Kilometer genau. Frankfurt ist im März nicht Hamburg.

02 — Summieren

Wärme wird zu einem Konto

Jeder Tag zahlt ein, was er über der Basistemperatur der Art liegt. Kalte Tage zahlen nichts. Das Konto beginnt am 1. Januar bei null.

03 — Schwelle

Jede Art hat ihren Punkt

Ist die Schwelle erreicht, öffnet sich das Pflegefenster. Zehn Tage vorher meldet sich Nenrin — genug Zeit, Substrat und Werkzeug zu richten.

GDD(Tag) = max( 0 , (Tmax + Tmin) / 2 − Tbasis )   ·   kumuliert ab 1. Januar   ·   Deckel bei 30 °C

Parallel läuft eine Wasserbilanz je Schale: Substratvolumen mal nutzbarer Wasserkapazität als Speicher, Verdunstung mal Schalenfläche mal Belaubungsgrad als Verbrauch. Der Belaubungsgrad kommt aus derselben Wärmekurve — deshalb weiß Nenrin im Februar, dass ein kahler Ahorn kaum Wasser zieht. Genau daran sterben die meisten Anfängerbäume.

Sehr langer, windgeformter Wacholder, dessen Stamm von einer Schale am linken Bildrand weit nach rechts wächst
02 / DIE RICHTUNG

Zeit zeichnet Haltung.

Der Topf bleibt. Der Baum sucht seinen Weg. Nenrin liest nicht nur Tage – sondern die eigene Zeit jedes Baumes.

Das Register

Ein Kompendium, kein Erinnerungswecker

Zu jeder Art: Basistemperatur, Schwellenwerte, Pflegefenster, Substratvorlieben, typische Fehler — und woher die Zahl stammt. Nenrin sagt immer dazu, wie sicher es sich ist.

紅葉
Acer palmatumFächerahorn · Momiji
Umtopfen kurz vor dem Austrieb. Spätfrost nach Blattentfaltung ist der gefährlichste Moment im Jahr.
T₍basis₎ 5 °C
Fenster 60–120 GDD
Pinus mugoBergkiefer · Matsu
Verträgt Wurzelarbeit später als Laubbäume. Kerzen werden nach Längenwachstum gebrochen, nicht nach Datum.
T₍basis₎ 5 °C
Fenster 110–190 GDD
Ulmus parvifoliaChinesische Ulme
Reagiert schnell auf Wärme und ebenso schnell auf Trockenheit. Draußen deutlich anders getaktet als am Fenster.
T₍basis₎ 5 °C
Fenster 70–140 GDD
真柏
Juniperus chinensisChinesischer Wacholder · Shimpaku
Kein echter Blattaustrieb als Signal. Das Fenster hängt an der Bodenwärme, nicht am Anblick.
T₍basis₎ 5 °C
Fenster 90–170 GDD
Carpinus betulusHainbuche
Treibt früh und kräftig. Wer den Schnitt verpasst, verliert die feine Verzweigung für eine ganze Saison.
T₍basis₎ 5 °C
Fenster 50–110 GDD
Ficus retusaLorbeerfeige · Zimmerbonsai
Steht innen und kennt keine Jahreszeit. Hier zählt nicht die Wärmesumme, sondern Licht und Luftfeuchte.
kein Fenster
Innenraummodell

Alle Schwellenwerte sind vorläufige Schätzungen und noch nicht standortkalibriert. Geplant ist ein Abgleich mit phänologischen Beobachtungen und den Beobachtungen der Nutzer. Bis dahin weist Nenrin die Unsicherheit sichtbar in Tagen aus. Eine schöne Grafik mit dem falschen Umtopfdatum ist schlechter als gar keine — sie kostet Bäume.

Mineralisches Bonsaisubstrat in einer Schale neben einem Messstab
03 / SpeicherSchale · Substrat · Volumen
Wasser aus einer feinen Tülle trifft auf mineralisches Bonsaisubstrat
04 / VerbrauchNiederschlag − Verdunstung
Die Historie

Tausend Jahre Beobachtung, aufgeschrieben

Bonsai ist eine Praxis mit langem Gedächtnis. Wer versteht, woher die Regeln kommen, erkennt schneller, welche davon Naturgesetz sind und welche nur Gewohnheit.

um 700 · Tang-Dynastie

Penjing 盆景 — Landschaft in der Schale

In China entsteht die Kunst, ganze Landschaften in flachen Gefäßen darzustellen. Wandmalereien aus dem frühen 8. Jahrhundert zeigen Bedienstete, die bepflanzte Schalen tragen.

1185–1333 · Kamakura

Ankunft in Japan mit dem Zen

Mit buddhistischen Mönchen kommt die Praxis nach Japan und wird dort verknappt: nicht mehr die Landschaft, sondern der einzelne Baum.

14. Jahrhundert

Hachi no Ki 鉢の木 — Der Baum im Topf

Ein Nō-Stück erzählt von einem verarmten Samurai, der seine letzten drei Zwergbäume verbrennt, um einen Gast zu wärmen. Der früheste Beleg dafür, dass diese Bäume als Kostbarkeit galten.

1603–1868 · Edo

Vom Tempel in die Stadt

Gartenbau wird zum Massenvergnügen. Händler, Handwerker und Samurai sammeln, tauschen und züchten — hier entstehen die Formensprache und die Werkzeuge, die bis heute gelten.

1925 · Ōmiya

Das Bonsai-Dorf 大宮盆栽村

Nach dem großen Kantō-Erdbeben verlassen Tokioter Gärtner die zerstörte Stadt und gründen nördlich davon eine Siedlung mit besserem Boden und sauberer Luft. Sie existiert bis heute.

1934 · Ueno

Kokufū-ten 国風盆栽展

Die erste große öffentliche Ausstellung im Tokioter Nationalmuseum macht aus einer Liebhaberei eine anerkannte Kunstform mit Maßstäben und Jury.

1976 · Washington

53 Bäume gehen über den Pazifik

Zum 200. Jahrestag der Unabhängigkeit schenkt Japan den USA eine Sammlung. Darunter eine Weißkiefer aus Hiroshima, die den 6. August 1945 in einer Gärtnerei überstanden hat — was erst 2001 bekannt wurde.

Die Marke

Drei Wege zum selben Zeichen

Der Name ist der Jahresring, also muss es das Zeichen auch sein. Entscheidend: echte Ringe sind nie gleichmäßig konzentrisch. Sie sind exzentrisch, und die Ungleichmäßigkeit ist genau die Produktidee. Drei Auslegungen zur Wahl.

A — Querschnitt

Der volle Ring, exzentrisch versetzt. Ein Ring in Zinnober markiert das laufende Jahr. Am eindeutigsten, am wenigsten überraschend.

B — Siegel

Ein Ausschnitt aus dem Ring im quadratischen Hanko-Rahmen. Kompendium-Charakter, funktioniert winzig, wirkt wie eine Signatur.

C — Bogen

Nur ein Viertel des Rings, die Strichstärke trägt die Information: dick, wo es warm war. Am abstraktesten, am ehesten als Muster ausbaufähig.

Nenrin
年輪
Nenrin
Jahresring
Nenrin
年輪
05 / DAS RISIKO

Frost kennt keinen Monatsanfang.

Nenrin verbindet die Vorhersage mit Art, Schale und Standort. Eine Warnung erscheint, bevor der Wurzelballen gefährdet ist – und sagt, für welche Bäume sie gilt.

Bonsai in einer flachen Schale während einer frostigen Nacht
Anfangen

Trag deinen ersten Baum ein

Art, Standort, Schalengröße. Mehr braucht Nenrin nicht, um am nächsten Morgen zu wissen, wie viel Wärme dein Baum bisher gesehen hat.